Feste Zahnspangen

Festsitzende Zahnspangen werden fast ausschließlich für die Korrektur bleibender Zähne verwendet, d. h. bei Kindern kommen Brackets meist erst ab dem 12. bis 13. Lebensjahr in Frage. Unabdingbar ist auf jeden Fall eine überdurchschnittlich gute Mundhygiene, um mögliche Nebenwirkungen wie Karies und Entzündungen im Mundraum zu vermeiden. 

Die Auswahl des am besten geeigneten Systems wird nicht nur vom Wunsch des Kindes oder seiner Eltern nach einer bequemen und rasch wirksamen Methode bestimmt, ausschlaggebend ist vielmehr die individuelle Diagnose und die Kooperationsbereitschaft des Behandelten.   

Lesen Sie hier weiter, was Sie über feste Zahnspangen grundsätzlich wissen sollten … 

Bestimmte Korrekturen lassen sich am besten mit festsitzenden Apparaturen durchführen. So etwa sind Brackets das Mittel der Wahl bei einem ausgeprägten Engstand, wenn größere Zahnbewegungen oder Zahndrehungen notwendig sind. Weitere mögliche Gründe für die feste Variante sind verschachtelte oder schiefe Zähne, Zahnlücken oder zu kurze Zähne, die mehr Platz zum Herauswachsen brauchen und zur Aufrichtung gekippter Seitenzähne. Spezielle feste Zahnspangen werden auch eingesetzt, wenn der Oberkiefer zu schmal ist. 

Die Entscheidung für eine feste oder lose Spange ist immer eine Frage der Abwägung zwischen erwünschtem Behandlungseffekt und den mit der Therapie einhergehenden Risiken. Ausschlaggebend sind die Art der Gebissanomalie, das Alter, die Zahl der Zähne, der Allgemeinzustand des Patienten sowie die Mundhygiene. Ob eine lose oder eine festsitzende Zahnspange oder auch beide Spangenarten für eine Vor- und Hauptbehandlung sinnvoll sind, hängt von der individuellen Fehlstellung ab.  

Hierzu beraten wir Sie oder Ihr Kind eingehend nach einer ersten Diagnose. Der schnellste Weg zur Klärung ist ein erster Termin in unserer Praxis 

Feste Zahnspangen bestehen aus Brackets (dt. „Klammern“), manchmal auch Bändern sowie einem Drahtbogen 

Bracketumfeldversiegelung 

Vor Einsetzen einer festen Spange werden die Zähne gründlich gereinigt und auf Wunsch zum Schutz vor Karies mit einem fluoridhaltigen Schutzlack versiegelt. Die Brackets werden anschließend durch spezielle Adhäsivtechniken mit der Oberfläche des Zahns verklebt. Bei nicht sachgemäßer Klebetechnik oder schlechter Mundhygiene während der Tragezeit von Brackets können dauerhafte weiße Flecken zurückbleiben. Diese entstehen durch Demineralisierung der Zahnoberflächen sind eine Frühform von Karies sein. Die Versiegelung des Bracketumfeldes schützt die Zähne, eine überdurchschnittlich gute Mundhygiene ist aber trotzdem immer notwendig. 

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Bracketumfeldversieglung nicht. Gesetzlich Versicherte können sie aber gegen private Zuzahlung wählen.  

Brackets 

Brackets sind kleine Plättchen oder Würfel aus Metall, Kunststoff oder Keramik, die auf die Zähne aufgeklebt werden. Sie nehmen den Drahtbogen auf und übertragen die Kräfte und Drehmomente die notwendig sind, um die Zähne zu bewegen.  

Kennzeichnend für ein Bracket ist einen horizontal verlaufenden Schlitz (engl. Slot) für die Aufnahme der Drahtbögen. Der Slot hat immer einen rechteckigen Querschnitt, der je nach Behandlungssystem entweder die Maße (H×T in Zoll) 0,018″ × 0,025″ oder 0,022″ × 0,028″ aufweist. Es ist die Präferenz des Kieferorthopäden welches Slot-System verwendet wird, jedoch sind diese unterschiedlichen Systeme nicht miteinander kompatibel.   

Je nach Eigenschaft des Slots werden Brackets in Edgewise und Straight-Wire unterschieden. Bei Edgewise-Brackets ist die Neigung des Slots gemessen zur Bracketbasis und zur Zahnachse für alle Zähne gleich. Die gewünschten Zahnbewegungen müssen für jeden Zahn einzeln in den Drahtbogen eingebracht werden. Bei Straight-Wire-Brackets besitzt jedes Bracket für den jeweiligen Zahn spezifische Neigungswerte des Slots. Diese sog. Prescription gibt die Angulation und den Torquewert an, also den Winkel des Slots zur Bracketbasis und zur Zahnachse. Bei festen Spangen mit Straight-Wire-Brackets werden gerade, durchgehende Drahtbögen verwendet. Meistens ist es trotzdem notwendig, zusätzliche Biegungen in den Drahtbogen einzubringen, wenn bestimmte Zahnbewegungen erreicht werden sollen. Wir verwenden ausschließlich moderne Straight-Wire-Brackets.  

Ein weiteres Unterscheidungskriterium von Brackets ist die Art der Befestigung des Bogens. Bei Standard-Brackets wird der Draht in den Slot eingelegt und anschließend zur Fixierung ein dünner Draht über die Flügel des Brackets verdrillt, ähnlich wie bei einer Agraffe, die den Sektkorken in der Flasche hält. Das nennt man Ligatur. Als Ligatur können auch kleine farbige oder transparente Gummiringe verwendet werden. Standardbrackets sind aus rostfreiem Edelstahl, Keramik, oder Komposit (Kunststoff) gefertigt. 

Selbstligierende Brackets kommen ohne Gummis oder Drähte aus, weil sie über einen speziellen Federmechanismus verfügen und den Drahtbogen ohne weitere Hilfsmittel aufnehmen. Diese selbstligierenden Brackets sind deutlich kleiner und graziler als Standard-Zwillingsbrackets und erleichtern die Mundhygiene (siehe auch Toggle 4, weiter unten). Zudem wird durch den Federmechanismus in Verbindung mit weichen, superelastischen Drahtbögen (siehe weiter unten) die Kraftübertragung reduziert. Das führt zu weniger Druckempfinden und ermöglicht gleichzeitig eine schonendere und flüssigere Zahnbewegung. Wir verwenden selbstligierende Brackets der Firma SPEED. 

Darüber hinaus können Brackets danach unterschieden werden, wo am Zahn sie befestigt werden. Sind sie auf der Außenfläche, zur Wange hin befestigt, spricht man von Bukkalbrackets. Befinden sie sich auf der Innenfläche, zur Zunge hin, werden sie als Lingualbrackets bezeichnet. 

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Standard-Metallbrackets. Kleinere selbstligierende Brackets oder Keramikbrackets können gesetzlich Versicherte gegen privat Zuzahlung wählen. 

In manchen Fällen werden um die Backenzähne statt Brackets dünne Metallringe, sog. Bänder, gelegt und mit speziellem zahnärztlichem Zement befestigt. Diese Bänder bieten die Möglichkeit, auch auf der Innenseite (Gaumenseite oder Zungenseite) der Zähne zusätzliche Drahtbögen z.B. zur Verankerung oder zur besseren körperlichen Bewegung der Zähne aufzunehmen. 

Bögen  

Die Drahtbögen bewirken die eigentliche Bewegung der Zähne. Sie werden in die Brackets (und ggf. Bänder) eingelegt und entweder mit Ligaturen (siehe oben) fixiert oder das Bracket hält den Draht durch einen Klappenmechanismus (selbstligierend). Zu Beginn der Behandlung, wenn die Zähne alle noch schief stehen, werden dünne runde und superelastische Bögen verwendet. Diese Bögen werden beim Einbringen in die Brackets teilweise stark verformt, bewegen sich aber langsam und kontinuierlich in ihre ursprüngliche Form zurück. Durch diesen Rückstelleffekt werden die Zähne bewegt. Im Laufe der Behandlung werden die Bögen gewechselt, d.h. man setzt immer dickere und stärkere Drähte mit einer höheren Steifigkeit ein. Später werden auch Drähte mit eckigem Querschnitt und Drähte aus Edelstahl verwendet, mit denen z.B. Lücken geschlossen oder die Position der Zahnwurzeln fein eingestellt werden können. 

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für steife Standard-Edelstahlbögen. Superelastische Bögen können gesetzlich Versicherte gegen private Zuzahlung wählen. 

Eine wichtige Eigenschaft, die für die Wahl des Bracket- und Bogenmaterials mit entscheidend sein kann, ist die Reibung des Drahtbogens im Bracketslot bei der Zahnbewegung, die sogenannte Friktion. Bei vielen Zahnbewegungen soll das Bracket über den Bogen gleiten (engl. „sliding mechanics“ bzw. Gleitmechanik). Sowohl die Materialkombination aus Bracket und Bogen als auch die Art der verwendeten Ligaturen können die Friktion vergrößern oder verringern. Zusätzlich zu Brackets und Bögen werden Zug- oder Druckfedern oder Gummiketten zur gezielten Zahnbewegung eingesetzt 

Viele Patienten müssen während der Behandlung Gummiringe (Elastics) tragen. Diese kleinen Gummiringe hängen Patienten selbständig in die Zahnspange ein. Sie bewirken z.B. eine Verringerung des Überbisses oder eine Verbesserung der Kaukontakte auf den Seitenzähnen. Die Tragezeit, die Gummistärke und von wo nach wo sie eingehängt werden müssen, erklärt der Kieferorthopäde. 

Die festsitzende Spange muss alle 4 bis 6 Wochen kontrolliert werden. Ggf. werden die Bögen gewechselt und/oder die Zähne gereinigt. Löst sich ein Bracket ab oder kommt es zu starken Druckschmerzen, vereinbaren Sie schnellstmöglich einen Notfalltermin in unserer Praxis. 

Vorteile    Nachteile 
Brackets können anhaltend Druck auf die Zähne ausüben und sind 24 Stunden pro Tag im Einsatz. So sind Zahnverschiebungen von bis zu einem Millimeter pro Monat möglich und entsprechend ist auch die Behandlungsdauer kürzer als bei losen Zahnspangen.     Die klassischen Metallbrackets sind beim Sprechen und Lächeln sichtbar, was manche Menschen im Ausdruck und in der Mimik hemmt.  
Im Gegensatz zu losen Zahnspangen bleibt eine feste Spange über die gesamte Behandlungsdauer im Mund. Man kann wie gewohnt Sport treiben und muss sich nicht sorgen, dass die Spange im Schlaf verrutscht.     Da die Spange auch beim Essen im Mund bleibt, ist eine überdurchschnittlich gute Zahnhygiene unabdingbar; zu vermeiden sind außerdem klebrige Süßigkeiten und fasrige Nahrungsmittel, die das Reinigen erschweren. 
Feste Außenspangen behindern das Sprechen in keiner Weise, da sie die Zungenfunktion nicht stören. Leichte Sprechhemmungen, die in den ersten Tagen nach dem Einsetzen der Spange auftreten können, verlieren sich, sobald man sich an den Fremdkörper im Mund gewöhnt hat.    Der Druck, den die Brackets auf die Zähne ausüben, kann in der Eingewöhnungsphase unangenehm sein oder temporäre Schmerzen hervorrufen. Normalerweise treten diese Empfindlichkeiten nur in der ersten Zeit nach dem Einsetzen auf oder wenn die Drahtbögen nachgespannt werden. Bei fehlerhafter Einstellung können die Zahnwurzeln überlastet oder geschädigt werden. 
Da Brackets an den Zähnen fest verankert sind, können sie weder verloren gehen noch vergessen werden.    Durch falsche Reinigung oder ungesunde Ernährung kann es zum Zahnschmelzabbau kommen. Der natürliche Zahnschmelz wird demineralisiert und es kommt zu weißen Flecken. 

Für Zahnspangenträger gibt es im Handel spezielle Ortho-Sets, mit denen man die Brackets rundherum zufriedenstellend reinigen kann.  

Bei elektrischen Zahnbürsten sollte man Modelle mit einem kleinen, runden Kopf wählen – dieser putzt präzise um die Brackets herum. Die Bürste soll auf jeden Fall rotieren und nicht nur vibrieren. 

Spangenträger müssen mehr für einen widerstandsfähigen Zahnschmelz tun; daher empfiehlt sich eine Zahnpasta mit höheren Fluorid-Anteil. Teenager sollten zahnaufhellende Pasten tunlichst vermeiden, da die Inhaltstoffe den Zahnschmelz schädigen können.  

Unter die Metallbögen kommen weder elektrische noch manuelle Zahnbürsten. Interdentalbürsten hingegen schon. Hier empfiehlt sich das größte Modell, denn die Abstände zwischen Zahn und Draht sind größer als die Zahnzwischenräume. 

Mundduschen und Mundspülungen unterstützen die lückenlose Reinigung und sorgen für einen stets frischen Atem.